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Ministerin Karawanskij präsentiert den Waldzustandsbericht 2021 | Foto: TMIL / D. Santana

Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft

Waldzustandsbericht 2022: „Eine nachhaltige Waldrettung wird nur mit konsequentem Klimaschutz gelingen“

„Leider hat sich nach dem regenreichen Jahr 2021 die Hoffnung auf weitere Entspannung im Wald nicht erfüllt. In diesem Jahr gab es wieder monatelang kaum Niederschläge bei zugleich hohen Temperaturen. Der Zustand des Waldes hat sich dadurch erneut verschlechtert und im Untersuchungsgebiet waren nur noch 18 Prozent der Bäume gesund. Jeder zweite Baum weist eine deutlich geminderte Vitalität auf“, berichtet Thüringens Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, Susanna Karawanskij, bei der heutigen (13.12.) Regierungsmedienkonferenz. „Die Hauptursache für die akuten Waldschäden sind die Folgen der Klimakrise. Trockenheit, Hitze und Stürme machen die Bäume anfällig für Luftschadstoffe und Schädlinge. Wir investieren zwar große Summen in die Wiederbewaldung und den Waldumbau, um die Wälder klimafester zu machen. Eine nachhaltige Waldrettung wird jedoch nur mit konsequentem Klimaschutz gelingen.“

Basierend auf einem flächenrepräsentativen Stichprobennetz, wurden auch in diesem Jahr bei der bundesweiten Waldzustandserhebung rund 7.848 Waldbäume in allen 24 Thüringer Forstämtern begutachtet. Anhand der Kronenverlichtung, sprich des eingeschätzten Verlustes an Nadel- bzw. Blattmasse, wird die Vitalität der Bäume abgeleitet. Im Ergebnis betrug die mittlere Kronenverlichtung 30,3 Prozent. Nur 18 Prozent der Stichprobenbäume in Thüringen konnten als gesund bewertet werden. Die Zahlen sind nur geringfügig besser als im bislang dramatischsten Waldzustandsjahr 2020. 32 Prozent weisen leichte Vitalitätsverluste auf, zwei Prozent weniger als 2021. Dafür wurden 50 Prozent der Bäume als deutlich geschädigt eingestuft und somit vier Prozent mehr als im Vorjahr. Nahezu alle Baumarten haben gegenüber 2021 an Vitalität verloren.

„Die Folgen der Klimakrise bedrohen die forstpolitischen Erfolge der vergangenen Jahre. Denn wir dürfen angesichts der aktuell schwierigen Situation nicht vergessen, dass der Wald in Thüringen seit 1991 gemischter, älter und naturnäher geworden ist, wie die Ergebnisse der Bundeswaldinventuren belegen. Wir sind mit dem Waldumbau auf einem guten Weg, den wir auch in schwierigen Zeiten weiter konsequent verfolgen. Das Ziel bleibt die artenreiche Wiederbewaldung und der klimaresiliente Waldumbau“, so Karawanskij.

Die Ergebnisse des aktuellen Waldzustandsberichtes zeigen, dass ein entspanntes Jahr mit ausreichend Feuchtigkeit nicht ausreicht, damit sich die Bäume von den Folgen der Klimakrise erholen können. Eine monatelange Trockenheit wie im Sommer 2022 genügt, um die zarte Verbesserung des Waldzustands im Vorjahr zurückzuwerfen und eine erneute, massive Vermehrung forstlicher Schaderreger zu verursachen.

„Für uns alle ist offensichtlich, dass Trockenheit und Borkenkäfer das Waldbild in Thüringen verändern. Mit fast 77.000 Hektar Schad- und Kahlflächen haben wir einen neuen Höchststand erreicht“, sagt die Ministerin. „Zugleich reagieren wir mit viel Geld, mehr Personal und intensiver Arbeit, um das Schadgeschehen zu verlangsamen. Mit einem strategischen Waldumbau hin zu Mischbeständen mit mehr Baumarten und Rekordpflanzungen wollen wir perspektivisch den Waldzustand wieder stabilisieren. Hier müssen wir jedoch geduldig sein. Bäume wachsen langsam und ein erfolgreicher Waldumbau braucht viel Zeit“, so die Ministerin.

Die Landesregierung habe angesichts des seit 2018 dramatischen Schadgeschehens wichtige Weichen gestellt, betont Ministerin Karawanskij. Die Grundlage dafür sei der Aktionsplan Wald 2030ff, der 2019 frühzeitig ausgerufen wurde. Zur Bewältigung der besitzübergreifenden Kalamitätslage erhielt die Landesforstanstalt 2019 bis 2022 zweckgebunden jährlich 4 Mio. Euro, zum Beispiel um Personal für Forstschutzaufgaben einzustellen. Hinzu kämen 11 Mio. Euro jährlich bis 2036 aus dem Sonderprogramm Waldumbau und Wiederbewaldung, also insgesamt 176 Mio. Euro für Beratung, Forschung, Monitoring sowie eine vorbildliche Wiederbewaldung und Waldumbau im Staatswald. Die kommunalen und privaten Waldbesitzendenden erhielten seit Beginn der dürrebedingten Waldschäden so viel Förderung wie nie zuvor, um ihre Arbeit im Wald zu unterstützen. „Diese Unterstützung setzen wir fort und sind froh, dass nun auch die vom Bund versprochenen Gelder für das klimaangepasste Waldmanagement von den Waldbesitzenden beantragt werden können", so die Ministerin.

Mit den zusätzlichen Mitteln der rot-rot-grünen Landesregierung konnte der vor 2015 festgelegte Stellenabbaupfad verlassen und strategische Bereiche wie Digitalisierung, Waldschutz und Praxisforschung bei ThüringenForst mit dem Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha personell gestärkt werden. "So haben wir auch die Grundlage für die Rekordpflanzungen 2021 und 2022 mit jeweils über 2 Mio. gepflanzten Setzlingen in Thüringens Wäldern gesichert. Zudem haben wir die Waldbrandvorsorge technisch und logistisch verbessert", bilanziert Karawanskij.

Zustand bei den wichtigsten Baumarten

Fichte: Der Zustand der Fichte ist fast unverändert. Die mittlere Kronenverlichtung liegt mit 25,4 % etwa auf dem Niveau von 2021. Rund 36 % aller Fichten weisen starke Vitalitätsverluste auf, 30 % sind gesund. Jedoch hat der Fichtenanteil bei Stichproben durch Borkenkäferkalamität weiter abgenommen und bewegt sich auf historischen Tiefstand zu. Der Fichtenanteil am Baumstand lag seit 1991 stets über 40%, 2022 sind es nur noch 36 %.

Kiefer: Der Zustand der Kiefer hat sich deutlich verschlechtert. Die Bäume mit deutlichen Vitalitätsverlusten sind von 50 auf 63 % gestiegen. Nur noch 10 % gelten als gesund, also zwei Prozent weniger als im Vorjahr.

Buche: Der Zustand der Buche hat sich wieder leicht verschlechtert. Der Anteil gesunder Buchen ist von 11 auf 9 % gesunken, rund 58 % (+3 %) haben starke Vitalitätsverluste.

Eiche: Der Zustand der Eiche war in diesem Jahr besser als in den Vorjahren, die mittlere Kronenverlichtung ist um 3 % gesunken und beträgt jetzt 39,1 %. Der Durchschnitt gesunder Eichen bleibt mit 6 % gering, dafür sinkt der Baumanteil mit starken Vitalitätsverlusten um 10 auf 63 %.

Hintergrund:

Die Waldzustandserhebung wurde in diesem Jahr in Thüringen zum 32. Mal durchgeführt. Seit 1991 wird jährlich an insgesamt rund 350 Aufnahmepunkten stichprobenartig der Kronenzustand unserer Waldbäume begutachtet. Die Ergebnisse werden im Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha zusammengestellt und ausgewertet.

Nähere Informationen zum Zustand des Waldes in Thüringen finden Sie auf der Internetseite des TMILs: https://infrastruktur-landwirtschaft.thueringen.de/unsere-themen/forst-jagd-und-fischerei/forstwirtschaft

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